Bloginterview mit Torsten von Savlog
Torstens Blog kenne ich schon ewig und wir haben ihn sogar auf dem Kölner CSD mal zufällig getroffen. Durch ihn bin ich wohl zum Bloggen gekommen, weshalb ich auf seine Antworten besonders gespannt war.

styve.de: Dein Blog Savlog, das damlas ja noch anders hieß, war das erste, das mir bewusst als Blog aufgefallen ist. Obwohl ich etwas am Grübeln bin, denn du schreibst bei dir “übertrieben schwules Internetz seit 2001″ und ich hab ja schon 2000 angefangen. Trotzdem glaube ich fest daran dass du der Auslöser dafür warst, das ich überhaupt angefangen habe zu bloggen. Kannst du ein wenig Licht ins Dunkel bringen und hattest du auch ein Vorbild?
Torsten: Seltsam. Als Weblog habe ich tatsächlich im Januar 2001 angefangen, vorher hatte ich auf einer dieser typischen Endneunziger privaten Homepages eine Art Tagebuch – eben ohne die vielen Vorteile und Bequemlichkeiten, die einem ein Blogservice bietet. Wenn ich also auf dem Weg Auslöser gewesen sein könnte, macht mich das stolz. Ich habe die Wochen vor dem eigenen Start Weblogs für mich entdeckt (vermutlich über eine sexuell inspirierte Yahoo-Suche) und würde einige amerikanische Schwulenblogs (davon habe ich nur noch Jockohomo auf dem Radar) und natürlich Stephan von Malorama als Inspirationsquelle sehen. Daneben noch altgediente Recken wie z.B. Jörg (damals dijalog, jetzt bei tumblr). Back in the days war das ja zumindest in Deutschland auch noch alles sehr übersichtlich, da wurden Neublogger noch herzlich begrüßt und man traf sich zur Party (quasi).
styve.de: Damals warst du noch der Kölnboy. Warum hast du das geändert?
Torsten: Offensichtlich: Wegen ‘Boy’. Das ist ja irgendwann… unangenehm.
styve.de: Was bedeutet dir dein Blog, ist es so eine Art Ventil?
Torsten: Auch. Es ist vor allem eine Spielwiese. Es ist einerseits Tagebuch und ich klicke gerne in all den Jahren, suhle mich in Erinnerungen und schaue mir fasziniert beim Altern zu. Genauso ist es Linkschleuder, wenn ich verdammt noch mal will, dass mehr Leute als nur ich etwas bestimmtes erfahren, sehen oder durchleiden sollen. Oh… und man lernt hin und wieder spannende Leute kennen.
styve.de: Wie würdest du dein Blog mit ein/zwei Sätzen beschreiben?
Torsten: Warum so ausufernd? Übertrieben schwules Internetz.
styve.de: Welche Themen sind in Deinem Blog tabu?
Torsten: Job. Und allzu private Dinge. Das Problem ist, dass Leser scheinbar immer denken, dass das alles real ist. Ist es nicht. Weder bildet das Blog meine Persönlichkeit komplett ab, noch steht irgendwo festgeschrieben, dass das alles wahr sein muss. Sich öffentlich zu machen, birgt also jede Menge Fläche für Missverständnisse – und zumindest im Job und in der Gefühlswelt habe ich auf die keine Lust.
styve.de: Sind Kommentare bzw. der Kontakt zu deinen Lesern wichtig für dich?
Torsten: Jein. Interaktion ist toll, Feedback auch. Aber ich weiß auch, dass die Anzahl von Kommentaren nicht unbedingt ein Indikator für Qualität ist. Ich hab mehrmals Feedback von nem Buchautor bekommen, das war schön und das uneingeschränkte, ewige Torwartidol meiner Jugend im Tal der Ahnungslosen hat sich mal kommentierend gemeldet. Das habe ich allerdings erst drei Jahre später gesehen…
styve.de: Du bist viel in der Szene unterwegs und man kennt dich. Schränkt dich das ein in dem was du schreibst, oder hilft dir das? Würdest du andere Themen anschneiden wenn du, bzw. dein Blog anonymer wären?
Torsten: Man kennt mich? Ich gehe mit dem Blog nicht hausieren und ganz ehrlich, die meisten würde es auch nicht interessieren. Anonymität hat seine Vorteile, aber dafür bin ich zu unkonzentriert und unambitioniert.
styve.de: Du pendelst wohl noch viel zwischen Köln und London hin- und her? Wo gefällt es dir besser und warum?
Torsten: London ist die Wucht und erschlägt einen anders als Köln. Logisch, da gibt es mehr von allem/allen – natürlich auch den Nervfaktoren. Trotzdem ist Köln so speziell wunderbar, dass ich – als ich neulich quasi vor der Wahl stand – Köln gewählt habe. Am schönsten ist es übrigens in Sydney, das werdet ihr ja selbst noch erleben…
styve.de: Gibt es ein besonderes Erlebnis, das du nicht gehabt hättest, wenn du nicht bloggen würdest?
Torsten: Vielleicht nicht den Job, den ich jetzt habe? Die hatten das damals gefunden und fanden das gut. Außerdem die unbezahlbaren magischen Momente mit einigen, die ich kennengelernt habe.
styve.de: Hattest du schon mal den Gedanken gehabt mit dem bloggen aufzuhören, bzw. was wäre für dich ein Grund dein Blog zu schließen?
Torsten: Ja, sicher. Ich habe mich selbst angeödet, hatte Zeitnot, es gibt spannende Alternativen (tumblr, Facebook), viel bessere Internetze und private Missverständnisse. Rechtliche Unsicherheit ist auch kein aktivierender Faktor, wildes Bilder reinkleben und ablästern verkneife ich mir inzwischen. Schließen würde ich es im Augenblick nicht – höchstens in einem Moment hochgradiger Betrunkenheit und emotionaler Fehlsteuerung.
styve.de: Viele Leser würde jetzt bestimmt auch noch interessieren von wo aus du deine Beiträge verfasst. Zeigst du es uns?
Torsten: Im Garten (jetzt ists aber grad dunkel) oder im Bett (auch dunkel, aber ich muss nicht aufstehen).

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.
Torsten: Ich habe zu danken. Beantwortest du die Fragen auch irgendwann selbst?
Klar, wenn jemand sich bereiterklärt mir 10 Fragen zu schicken…



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