22. September 2006

Ich hab hier schon oft von der Servicewüste Deutschland berichtet, wie wenig der Kunde wirklich König ist und wie sehr man sich manchmal verarscht vorkommt. Das dies aber auch so ist, wenn man von einer Firma zu einer Party eingeladen wird, hätte ich nicht gedacht.
Vor einiger Zeit erhielten wir von einem Designer-Möbelhaus eine “persönliche Einladung” zu einer Party auf der die neue Kollektion und eine Kunstausstellung gezeigt werden sollte. Wie gewünscht, meldeten wir uns mit zwei Personen per eMail an und ein wenig freuten wir uns schon auf neue Möbel, schöne Bilder, ein Glas Sekt und ein wenig Fingerfood.
Gestern war es dann soweit. Um 18:00 Uhr sollte die Party in den Räumen der Hamburger Filiale starten. Wir wissen nicht wie das bei Euch ist, wenn Ihr Gäste erwartet. Wir rechnen auf jeden Fall zur angekündigten Zeit damit, dass auch jemand kommt. Wir sind dann mit allen Vorbereitungen fertig und bereit unseren Besuch mit einem Lächeln zu empfangen.
Nicht so gestern im Möbelhaus. Wir betraten kurz nach 18:00 Uhr die Filiale; am Eingang war ein kleiner Tresen mit Sektausschank aufgebaut. “Ein Begrüßungsgetränk, wie schön”, dachten wir, aber niemand begrüßte uns. Der junge Mann hinter dem Tresen sortierte nur teilnahmslos leere Gläser. Keine Aufforderung sich ein Glas Sekt zu nehmen. Taten wir dann auch nicht.
Wir schlenderten wie einige andere Gäste auch durch die Geschäftsräume und es war eigentlich wie immer. Verkaufspersonal kümmerte sich um Kunden… “Hier soll eine Party sein?”, dachten wir. Auf einem Tisch sahen wir Sushi stehen. Die Plastikverpackungen waren geschlossen, niemand in der Nähe der uns fragte, ob wir etwas möchten, niemand der etwas davon nahm oder bereits genommen hatte. Wir nahmen auch nichts, war ja möglicherweise gar nicht für uns.
Wir schlenderten weiter. Woanders verteilte eine Promotiondame von einer Fitness-Club Kette harte, grüne Äpfel. Diese Dame schien zwar etwas motivierter zu sein und sprach die Gäste/Kunden direkt an, aber nach Äpfeln und einer Mitgliedschaft in einem Sportverein stand uns irgendwie nicht der Sinn.
Dann erblickten wir einen weiteren Tisch mit kalten Platten. Ziemlich versteckt in einer Ecke. Da auch diese noch abgedeckt waren und auch hier niemand zu sehen war, näherten wir uns diesem erst gar nicht.
Kurz vor dem Ausgang fragten wir uns “Wo ist eigentlich die Fotokunst-Ausstellung?” Als wenn man unsere Gedanken lesen konnte wurde just in diesem Moment ein Bild (das erste?) der Ausstellung aufgehängt.
Enttäuscht verließen wir nach 15 Minuten die “Party” und ließen die anderen Gäste darauf warten, dass Ihnen die Häppchen von alleine in den Mund springen.
Versteht uns und bitte nicht falsch. Es geht uns bei solchen Anlässen nicht darum möglichst viel zu trinken und zu essen oder sonst was abzustauben, sonst hätten wir uns schon selber bedient. Es geht uns ums Wohlfühlen und das taten wir nicht. Die Idee war gut, die Umsetzung aber sehr mangelhaft.
Eine Party sollte auch als eine solche zu erkennen sein. Die Gäste sollten begrüßt werden wenn sie kommen und wenn ich merke da langweilen sich welche, dann kümmere ich mich um sie. Wenn Speisen und Getränke ankündigt werden, dann sollten diese auch den Gästen angeboten werden. Und Bilder kann man auch schon lange vor der Veranstaltung aufhängen.
Wir fühlten uns gestern auf jeden Fall nicht wie Gäste, sondern einfach nur irgendwie fehl am Platz.
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