27. Oktober 2005

Wir wissen es alle: Beim Sex ohne Gummi, beim so genannten barebacking, besteht eine große Gefahr sich mit dem HIV-Virus zu infizieren, das gilt für die Schwule-, wie auch für die Hetero-Szene. Wir wissen aber auch, dass es im Moment eine gewisse Sorglosigkeit beim Sex gibt und das betrifft ebenfalls beide Szenen. Aufklärung tut also not. Was aber am 20.10. in einem Bericht in “Kontraste” gezeigt wurde, war keine Aufklärung, sondern das Anschwärzen der bösen bösen Schwulen, die mal wieder an allem AIDS-Unheil dieser Welt schuld sein sollen. Da wurde sehr tief in schwulen Abgründen gewühlt, aber mit keinem Wort der Familien-Vater erwähnt, der schutzlos fremdvögelt, oder die vielen geilen Böcke, die sich die Armut mancher thailändischer Familien zu nutze machen und deren Kinder zur Befriedigung ihrer Lust missbrauchen, ohne Gummi natürlich. Sicher gibt es in der schwulen Szene viele schwarze Schafe, aber Kontraste hätte seinen Bericht nicht so sehr auf uns konzentrieren müssen. Das schürt in manchen Bevölkerungsschichten den Hass gegen schwule sicher nur noch mehr. Von einer Sendung die aus Berlin kommt hätten wir wirklich mehr Weitblick erwarte.
Gunnar hat sich darüber so aufgeregt, dass er erstmal einen Leserbrief an die Redaktion schrieb, der aber bis heute unbeantwortet blieb:
Hallo Liebe Redaktion,
habe gerade gestern Ihren Bericht über die steigenden Aidszahlen gesehen und mich darüber total aufgeregt.
Klar… auch ich finde es nicht gut, wie in der Schwulenszene mit dem Thema Safersex umgegangen wird. Ich bin selbst schwul und lebe in einer Lebenspartnerschaft.
Warum es aber immer die Schwulen sein müssen, die in den Medien schlecht dargestellt werden ist mir ein Rätsel. Sollte nicht die Gesellschaft und damit auch die Medien toleranter uns gegenüber werden?
Keiner schreibt oder spricht öffentlich darüber wie Schwule die in eingetragenen Lebenspartnerschaften z.B. steuerlich benachteiligt werden. Ich finde dieses sollte erstmal der Ehe gleichgestellt werden.
Weiterhin bin ich der Meinung, dass eine Behandlung eines AIDS-Kranken die Kassen nicht immer gleich 1500 Euro im Monat kostet. Dies ist doch erst der Fall wenn ein stationärer Aufenthalt notwendig wird. Zweitens sind die Schwulen auch dadurch, dass sie im Steuerrecht benachteiligt werden, eine der Hauptzahler der Krankenkassenbeiträge.
Außerdem kommt hinzu, dass die Ansteckungshäufigkeit bei Schwulen nur so auffällt, weil viele von ihnen auch regelmäßig einen Aidstest machen. Ich will gar nicht wissen wie viele Heteros sich in Puffs oder während ihres Sexurlaubes oder sonst wo dumm und dämlich rammeln und das auch ohne Gummi… Da rüber wird denn eher geschwiegen. Nein die bösen Schwulen sind es mal wieder… Schon klar… Kein Wunder das es in Deutschland immer noch ein schwulenfeindliches Bild gibt. Denn auch Frau Müller und Herr Maier sehen Ihren Bericht und schon gibt es wieder ein negatives Bild…
Schön wäre es aber auch, wenn Sie in Ihrer Sendung auch mal positive Berichte bringen würden… denn nach den Sendungen hat man immer das Gefühl das die ganze Welt schlecht ist und man an jeder Ecke betrogen wird…
Viele Grüße
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